Institutionen

Schola Cantorum Basiliensis

An keiner anderen Institution war ich in so vielen unterschiedlichen „Funktionen“ tätig:

  • als Cembalo- und Generalbassstudentin (Jesper Christensens strenge Schule möchte ich genauso wenig missen wie den für mich so zukunftsträchtigen Notationskundeunterricht bei Karin Paulsmeier)
  • als Musiktheoriestudentin (immerhin war ich dort die erste weibliche Absolventin des Studiengangs „Theorie der Alten Musik“)
  • als Wissenschaftliche Mitarbeiterin (ich habe u. a. für das Mikrofilmarchiv gearbeitet, mit Claudia Schärli zusammen die Symposien organisiert, Veröffentlichungen redaktionell und wissenschaftlich begleitet)
  • und sogar als Sekretärin!
  • schließlich als Dozentin für meine heiß geliebte Notationskunde.

Somit habe ich die Schola unter vier Leitungen erlebt, wie sie unterschiedlicher wohl kaum sein konnten.

Züricher Hochschule der Künste

Der Theorieabteilung dieser Hochschule ist ein wirklich großer Wurf gelungen: der Theorieschwerpunkt! Die Studierenden des 3. Bachelorjahres können aus einem Pool von verschiedenen Angeboten auswählen, womit sie sich ein ganzes Schuljahr lang beschäftigen möchten. Das kann ein Komponist sein, eine Gattung, eine übergeordnete Fragestellung. Die Dozierenden können sich dann mit einer Gruppe von maximal fünf (!) Studierenden ein Jahr lang drei (!) Stunden in der Woche dieser Thematik von allen Seiten widmen. Das verlangt viel Einsatz von allen Seiten, denn im Laufe des Jahres müssen die Studierenden eine schriftliche Analysearbeit schreiben. Am Ende des Jahres findet eine Höranalyse-Prüfung statt, was glücklicherweise erlaubt, während des Unterrichts ganz viel Musik erklingen zu lassen, über die dann auch viel diskutiert wird. Und schließlich eine mündliche Prüfung zu allgemeinen Fragen des Kurses.

Selten sind mir Studierende so nahe gekommen. Die geringe Größe des Kurses, die Länge des Unterrichts von drei Wochenstunden über ein ganzes Jahr, die intensive gemeinsame Auseinandersetzung mit der schriftlichen Arbeit und schließlich die Prüfungsvorbereitung. Das macht großen Spaß!

Ich bin dort eingestellt worden, um für die relativ kleine Alte Musik-Abteilung ein adäquates Theorieangebot zu machen. Leider ist die Abteilung inzwischen so klein, dass im 3. Bachelorjahr die Mindestanzahl von drei Studierenden gar nicht gegeben ist. Die Bitte von der Theorieabteilung, meine Themen deshalb so zu gestalten, dass sie auch für Nicht-Alte Musik-Studierenden von Interesse sind, führte zu der für mich glücklichen Fügung, mich nun auch mit Bereichen intensiv auseinanderzusetzen, die über die Alte Musik weit hinausgehen.

Bisher habe ich angeboten:

  • Josquin des Prez (2008/09)
  • (2009/10 konnte aus oben beschriebener Problematik heraus kein Kurs stattfinden).
  • Seconda Pratica (2010/11)
  • Johann Sebastian Bach (2011/12)
  • Messvertonungen (2012/13)
  • „Das Alte im Neuen“ – die kompositorische Auseinandersetzung mit Alter Musik im 20. und 21. Jahrhundert. (2013/14)
  • „Ein musikalischer Spaß“ – Über den Humor in der Musik (2014/15)
  • Von der Faszination musikalischer Strenge: Kontrapunkt und Fugenkünste (2015/16)
  • „Belcanto“ verso „Le bon goût“ – die lange Geschichte des musikalischen Duells zwischen Italien und Frankreich (2016/17)

Darüber hinaus habe ich in Zürich so genannte Studios angeboten („Ohne Bach kein Beethoven) und leite das Z-Modul (interdisziplinäres Modul) „Zeichensprache: Nachdenken über Schrift“, sowie Kammermusikkurse.

Musikwissenschaftliches Seminar der Universität Basel

Auch hier habe ich nicht nur studiert, sondern auch gearbeitet. Zunächst als HiWi im Mikrofilmarchiv (oh, wie ich diese Arbeit geliebt habe!!!), dann als wissenschaftliche Assistenz im Sekretariat. Das Institut – wie es früher noch hieß – war in den letzten Jahren großen Veränderungen unterworfen. Ich schätze mich sehr glücklich, dort im Lehrauftrag für den Kurs „Satzlehre und Paläographie“ verantwortlich zu sein.

Hochschule für Künste Bremen

Hier habe ich nicht studiert, aber fünf Jahre lang eine wunderbare Arbeit als Vertretungsprofessorin gehabt. Wissbegierigen Studierenden aus der ganzen Welt etwas über Theorie der Alten Musik und über Paläographie zu erzählen und mit denselben Studierenden das in Form von Projekten auch in die Praxis umzusetzen – was gibt es Schöneres!

  • Codex Faenza (mit Baptiste Romain)
  • Diminutionen
  • Das Alte im Neuen I (mit Christian Günther)
  • Luci miei traditrici (Das Alte im Neuen II), mit Christian Günther
  • Generalbassaussetzungen
  • Das Alte im Neuen III (mit Christian Günther)
Institut für Musik der Hochschule Osnabrück

Mein musikwissenschaftlicher „Spielplatz“. Musiktheorie in allen Ehren, aber in erster Linie bin ich ja Musikwissenschaftlerin und das durfte ich dort sein! Das Besondere an der Arbeit in Osnabrück war allerdings, dass es eben eine Musikhochschule und keine Universität ist. D. h. Musikwissenschaft bedeutet hier, Musikwissenschaft für angehende Musiker und Musikerinnen, und dies wiederum in erster Linie angehende Musikschullehrende (Instrumental- und Gesangspädagik) und dies wiederum alles andere als nur im klassischen Bereich, sondern auch im Jazz, im Pop, im Musical. So habe ich immer mit einem bunten Häufchen zu tun gehabt, das mein wohl durchdachtes Unterrichtskonzept ganz schön ins Wanken brachte. Denn in der „Geschichte der Musiktheorie“ Popmusiker mit einem eher intuitiven Zugang zur Musik sitzen zu haben, ist genauso eine Herausforderung, wie spielfreudigen Jazzpianisten etwas über die Urgründe des Generalbasses erzählen zu wollen…

Dachte ich immer, eine Bachelorarbeit (für deren Betreuung ich u. a. auch zuständig war) hätte etwas mit Wissenschaftlichkeit zu tun, so wurde ich eines Besseren belehrt. Am liebsten wurden Arbeiten mit einem sehr großen empirischen Anteil geschrieben, für die es galt, sich alltäglichen Schwierigkeiten des Musikeralltags zu stellen.

Meine „Musik und…“ Seminare (Musik und Kunst, Musik und Politik, Musik und Theater, Musik und Psyche etc.) stießen auf großes Interesse und führten häufig zu ausufernden Diskussionen. Musikwissenschaft mal ganz anders. Das Unkonventionelle dort vermisse ich sehr, aber leider musste ich diese Stelle aus zeitlichen Gründen aufgeben.

Hochschule für Musik und Theater Rostock

Hier bin ich ein kleiner Satellit, allerdings ein liebevoll umsorgter. Ich darf angehende Komponisten und Komponistinnen in die Notationskunde einführen und „normalen“ Musikern etwas über historische Aufführungspraxis erzählen. Ich bin immer sehr gerne dort – es ist aber auch eine der schönsten Hochschulen, die ich kenne!

Das Jahr 2017 allerdings wird besonders, da ich die „theoretische“ Seite der historischen Aufführungspraxis mit dem Opernprojekt Die Jagd auch praktisch befüllen werde.

Johannes Gutenberg Universität und Musikhochschule Mainz

Kompetente Kollegen, hohes Niveau der Studierenden und eine funktionierende Infrastruktur – wunderbar!

Und ich durfte mich mit allem einbringen, was ich kann: Musiktheorie („Analyseansätze bis 1650“), Musikwissenschaft („Musiktheorie im Schulunterricht – damals und heute“), Paläographie („Chorbücher“), Hausarbeiten begleiten und schließlich praktische Arbeit (wissenschaftlich betreut von Klaus Pietschmann) mit einem Programm zur Musik am päpstlichen Hof. Leider nur eine Gastdozentur von einem Semester! Aber es bleibt noch ein kleiner Nachtisch: der Lehrauftrag im Fach Geschichte der Musiktheorie.

Institut für Historische und Systematische Musikwissenschaft der Universität Hamburg

Hier war ich bisher „Gast“ mit verschiedenen Lehraufträgen in Generalbass und Kontrapunkt, aktuell auf der Vertretungsstelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters am Institut für Historische Musikwissenschaft.

Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

Hier war Not am Mann, da die zuständige Person für Notation verstorben ist. Peter Reidemeister hörte davon und hat mich ins Rennen geschickt. Was für eine Aufregung! Und meine erste Erfahrung mit allem, was für einen Lehrauftrag typisch ist: „Mäßige“ Bezahlung, irrsinnig lange Anfahrten (damals noch aus Basel) inklusive Nachtzug, jede Menge zusätzliche Leistungen, die nicht vergütet wurden (Prüfungen, Lehrberichte etc.) und irgendwann die Mitteilung, dass nun jemand vor Ort gefunden werden konnte und man sich die Reisekosten gerne sparen möchte…

Große Enttäuschung meinerseits, denn damals war ich noch nicht so „Von einem Lehrauftrag zum anderen stundenlang unterwegs sein“-müde wie heute. Will sagen: Das war eine gute Zeit und eine wunderbare Arbeit an einer schönen Hochschule. Ich konnte mir meine ersten Meriten verdienen und meine Leidenschaft für die Paläographie und ihre Vermittlung hat hier ihren Anfang genommen. Wenn auch noch reichlich „schulisch“ und um eine Vollständigkeit bemüht, die die Studierenden sicher etwas überfordert hat. Inzwischen wüsste ich es besser!

Aber immerhin habe auch ich einen bleibenden Eindruck erhalten: eine koreanische Sängerin, die ohne mit der Wimper zu zucken in Fraktur verfasste Texte laut vorlesen konnte! Und verstanden hat! Liebe ??? (den Namen habe ich leider vergessen) – das werde ich Dir nie vergessen und alle Deine Landsleute haben es von mir unter die Nase gerieben bekommen!

Untergebracht war ich in dem wunderschönen Bläserhaus – herrlich – es roch so schön nach DDR-Kunstleder und geweckt wurde ich, als sich die ersten Hörnerklänge die knarrenden Treppen zu den Gastwohnungen heraufzwängten.

Danke, Peter, danke, liebe Kollegen von der Abteilung Alte Musik für die herzliche Aufnahme, danke auch an das köstliche Köstritzer, welches ich an meinen einsamen Abenden in Leipzig kennenlernte.

Koninklijk Conservatorium Den Haag

Nach dem Tod meines ersten Cembalolehrers Rolf Junghanns konnte ich an der Schola nicht weiterstudieren. Ich glaube, es war ein Engel, der mich im richtigen Moment nach Den Haag geführt hat. Über einige Umwege hat er mich schließlich in die Arme von Ton Koopman und Tini Mathot gelenkt und das war gut so!

Tini stand mir in vielen dunklen Stunden (nicht nur, was meine Cembalotechnik anbelangte) bei. Von ihr stammt dieser Satz: „Wir haben Dich als unsere Studentin akzeptiert und jetzt gehen wir mir Dir den Weg zum Diplom“. Ich habe mir dieses Lehrer-Ethos immer sehr zu Herzen genommen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht voller Dankbarkeit an die beiden denke.

Universität Wien

Hier habe ich meine Doktorarbeit geschrieben, die ich bald den Gutachtern vorlegen werde. Kompetent und geduldig betreut von Birgit Lodes.

Maximilians-Universität Würzburg

Gehört zu „ferner liefen“, könnte fast in die Kategorie „Grundausbildung“ einsortiert werden. Aber immerhin habe ich hier mein erstes Latinum absolviert (welches in der Schweiz dann nicht anerkannt wurde) und Vorlesungen im Toskanasaal der Residenz bei den ehrwürdigen Herren Wolfgang Osthoff und Martin Just gehört.

High Insitute of Music, Damaskus, Syrien

Über die Abenteuer, die ich an diesem Institut erlebt habe, berichte ich gesondert beim Opernprojekt Zenobia.

Musikhochschule und katholische Universität L’viv (Lemberg), Ukraine

Hier habe ich auf die Initiative meiner ehemaligen Studentin Victoria Kuriloff und mit der enormen Unterstützung von Ostap Manuliak (stellvertretender Leiter der Hochschule) unzählige Vorträge gehalten, die schließlich zum Opernprojekt Amazonki führten. Durch die Unermüdlichkeit von Ivan Dukhnych (ebenfalls ein ehemaliger Student) werden nun neue Formate entwickelt, zu denen ich wieder eingeladen bin. Und es ist mir eine große Freude und Ehre!

sarband

Ja, ich gehöre zur „Familie“. Und zwischenzeitlich wohl auch zum Inventar. Vladimir macht das großartig und Dank seines Fleißes und seiner Beharrlichkeit waren wir mit den Programmen Arabische Passion und Passio – Compassio schon in der halben Welt bei tollen Festivals zu Gast (Singapur, New York, Abu Dhabi, Spanien, Belgien etc.).

Ansonsten waren meine „Bands“ Bella Gerit, Musicanti erranti, Batava Tempe, Lautanetto, Duo Pizzicato.

Das waren noch Zeiten…